Blick: Wissensheft: Magen-Darm!

Weg der Nahrung Der Weg der Nahrung: Eine lange Reise durch das Pferd

Pferde sind Pflanzenfresser, genauer gesagt: Raufutterfresser. Auf ihrem Spei seplan stehen hierzulande in erster Linie Gräser – vor allem getrocknet –, Stroh, Zweige, Blätter und Rinden. Anders als Menschen können Pferde auch aus Ballast stoffen, der Rohfaser, Energie gewinnen. Um zu verstehen, wie sich aus einem Ki logramm Heu innerhalb von 35 bis 50 Stunden aromatisch duftende, grün-braun glänzende Pferdekotbollen entwickeln und welche Stationen die Nahrung wäh rend dieser Zeit passiert, lohnt ein Blick auf die Verdauungsanatomie des Pferdes. Ein Pferd nimmt die Nahrung mit den Lippen und Schneidezähnen auf und zerkleinert sie mechanisch mithilfe seiner Backenzähne. Während des Kauens wird von den Spei cheldrüsen Speichel produziert, der sich mit dem Futter vermischt, um dieses rutschfä higer für den Weitertransport zu machen. Speichel kann aber noch viel mehr: Er enthält unter anderem Bicarbonat und Natriumchlorid – Stoffe, die der Pufferung der Magen säure im Anfangsteil des Magens dienen. Je besser und länger ein Futtermittel gekaut werden muss, desto mehr Speichel wird produziert. Für ein Kilogramm Heu benöti gen Pferde im Schnitt 40 Minuten, für ein Kilogramm Kraftfutter im Schnitt nur 10 Mi nuten. Die Verdauung beginnt, sobald das Pferd Futter aufnimmt, also bereits im Maul und nicht erst in den tieferen Abschnitten wie Magen und Darm. Lippen, Zunge, Zäh ne, Maulhöhle und Rachen werden deshalb auch zusammengefasst als Kopfdarm be zeichnet. Hier findet die mechanische Verdauung statt. Je weniger intakt das Gebiss ist, desto schlechter kann die Verdauung in den folgenden Abschnitten funktionie ren. Nicht umsonst heißt es„Gut gekaut ist halb verdaut“. Kopfdarm und Magen sind über die Speiseröhre miteinander verbunden. Die ist beim Pferd bis zu 1,50 Meter lang. Geht alles gut, wird dieser Abschnitt sekundenschnell pas siert. Wurde das Futter nicht ausreichend zerkleinert, kann es aufgrund des geringen Durchmessers der Speiseröhre von nur circa 1,5 Zentimetern zur gefürchteten Schlund verstopfung kommen (s. Artikel S. 19). Auffallend klein und störanfällig: Der Magen Im Vergleich zur Größe eines Pferdes ist sein Magen ziemlich klein. Er fasst nur etwa 15 bis 20 Liter. Schließmuskel am Mageneingang und Magenausgang verhindern, dass das Futter durchrauscht. Genau hierin liegt aber auch eine gewisse Störanfälligkeit, denn der Schließmuskel am Mageneingang zieht sich reflektorisch je nach Füllungsdruck zu sammen. Je gefüllter der Magen, desto schneller die Kontraktion bis hin zu einem Dauertonus. Aus diesem Grund können Pferde auch nicht erbrechen. Ein Pferd ist deshalb auf die kontinuierliche Aufnahme kleiner Futtermengen angewiesen. Der Magen des Pferdes besteht aus einem drüsenlosen Teil, dem Blindsack im vorderen Ab schnitt, und einem drüsenhaltigen Teil, dem hinteren Magenabschnitt. Im vorderen, drü-

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